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Wohin geht die Reise von Joomla und Joomla!Info?

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An Jahres-Wechseln zieht man gerne Bilanz. Was brachte das vergangene Jahr? Was wird das neue Jahr bringen?

Auch ich mache das Anfang/Ende Jahr und hinterfrage, ob das, was ich mache, auch wirklich noch Spass macht und ob es den Lesern und auch mir einen Mehrwert bietet.

Seit dem Fork von Mambo > Joomla! 2005 schreibe ich Joomla!-Artikel. Zuerst unter www.joomlanews.ch (2005-2008) und dann unter www.joomlainfo.ch (ab 2010 bis heute). Ab 2006 entstand die erste Joomla! de-CH Sprachdatei, die ich an vorderster Front mitübersetzt habe. Natürlich kamen im Laufe der Jahre noch weitere, grössere und kleinere Erweiterungen hinzu, die ich übersetzt habe. Das CH-Sprachprojekt wurde 2007 dann mit dem DE-Team zusammengelegt und wurde als JGerman weitergeführt, so wie wir es heute noch kennen.

Von 2008-2013 war ich auch als Joomla! Community Manager im Joomla! Core-Team unterwegs und habe während dieser Zeit den Schweizer Joomla! Verein gegründet und geleitet. Während dieser Zeit entstand das erste deutschsprachige Joomla!-Magazin, mehrere Flyer und wir organisierten als Verein duzende Joomla!-Kurse. 2013 habe ich den letzten schweizer Joomla!-Day organisiert.

In dieser Zeit habe ich die Geschichte von Joomla! hautnah miterlebt und war an vielen Konferenzen und JUG-Treffen als Teilnehmer und Referent. Warum schreibe ich das hier? Es geht mir nicht darum, mit all meinen Aktivitäten für das Projekt zu prahlen, sondern vielmehr zu zeigen, dass ich Joomla! vom ersten Tag an kenne und während den letzten 13 Jahren sehr viele Hochs und Tief hautnah mitbekommen habe.

Ich habe tausende Stunden ins Projekt gesteckt und ich bin weit davon entfernt, das Projekt hier schlechtzureden. Aber ich bin Realist!

Joomla!s Boomer-Jahre

Rückblickend kann man sagen, dass Joomla! von 2005-2008 einen regelrechten Hype erlebt hat. Ich erlebte Zeiten, in der Joomla! in Google Trends (Statistik der am Meisten verwendeten Suchbegriffe) die unangefochtene Nummer 1 in Sachen CMS war. Ja, noch weit vor WP. Es gab Tage, an denen mein Newsportal mehr als 1’000 Besucher zählte (damals noch ohne AdBlock und NoScript etc.).

Der Abwärtstrend begann 2008 als man Joomla! 1.5 ausgerollt hat und viele an der Migration von 1.0 > 1.5 scheiterten. Schon damals gab es erste Anzeichen in Google Trends, dass sich das Blatt allmählich wendet. Doch das wollte ich als Joomla!-Junkie und Botschafter der Sache nicht sehen und man verdrängte diesen Abwärtstrend. Das Projekt boomt und “meine” Zahlen stimmten. Also kein Grund zur Sorge oder um kritische Fragen zu stellen.

Viele Joomla!-Seiten realisiert, viele Joomla!-Kurse gegeben und das Interesse an Joomla an Messen und JUG-Treffen war ungebrochen. Auch im Projekt selber herrschte Hochbetrieb und die Community wuchs und war aktiv wie nie zuvor. Ich habe stundenlang in Foren und Skype-Chats verbracht und den Einsteigern geholfen, sich ins CMS einzuarbeiten. Es war keine Seltenheit, bis zu 40h pro Woche im Namen von Joomla! unterwegs zu sein und das neben Familie und einem 100% Job als Angestellter.

Die Wende

Damals kümmerten mich solche Trends nicht. Doch ab 2010 spührte ich es bei mir selber. Die Besucherzahlen schrumpften, Kurse wurden schwieriger zu füllen, die Anwender verlangten immer lauter nach WP usw. 2008 bestand mein Webportfolio aus 100% Joomla!-Seiten. 2010 waren es noch ca. 80% Joomla!-Seiten und heute sind es noch knapp ein Drittel Joomla!-Seiten, die ich in meinem Projekt-Portfolio habe.

Gleichzeitig kamen immer mehr Personen ans Ruder, welche die Geschichte/Philosophie von Joomla! nur vom “Hörensagen” kannten. Und ich bemerkte rasch, dass ich mit meiner Leidenschaft eher als übertrieben und als Amateur abgestempelt wurde. Man wollte Joomla! professioneller machen. Meine Intension war es, Joomla! möglichst allen Nutzern und Nicht-Programmierern zugänglich zu machen. Ich selber kam aus der Gestalter-Ecke und kann/konnte und wollte mit Code nix anfangen. Musste ich bis dahin auch nicht. Das war auch der Grund warum ich 2002 von PHP-Nuke zu Mambo gewechselt habe.

Die neuen Kräfte wollten das Gegenteil. Man wollte eine komplexe universelle Anwendung (Framework) das nur noch Insider oder Profis verstehen. Klar, damit lässt sich als Profi mehr Geld verdienen. Für die, welche darauf ein Business aufbauen, ist das nachvollziehbar. Doch man hat schlichtweg die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Warum boomt WP so stark? Ganz einfach, weil es jeder Nutzer anwenden kann, der lesen und schreiben kann. Ob der Code dahinter schön strukturiert und nach den hohen Regeln der Programmier-Kunst geschrieben ist oder hässlicher Spaghetti-Code ist, interessiert keiner.

Zudem habe ich seit 2007 einen WP-Blog, der heute noch mit der gleichen Konfiguration im Netz ist. Ich konnte immer ohne Probleme updaten von 2007-heute. Ich habe mit WP noch nie eine einzige Migration oder manuelle Anpassung machen müssen.

Aktuelle Situation

Zweifellos, Joomla! hat viele tolle Sachen. Custom Fields, um mal nur eine davon zu erwähnen. Aber auch hier. Solange ich selber Template-Overrides schreiben muss und die XML-Anweisungen und ACL-Settings dazu brauche, ist das für einen Profi zwar interessant und ermöglicht ihm grenzenlose Gestaltungsmöglichkeiten. Aber die grosse Masse interessiert das nicht, weil’s zu kompliziert ist und rennt zu WP. Und ja, auch bei WP gibt’s Custom Fields und ACL. 🙂

Will man heute da mitreden, wo die Masse ist, braucht man WP. Obs einem gefällt oder nicht. Ich weiss, sowas sollte man auf einem Joomla!-Newsportal nicht schreiben und ich höre schon das Gespött gewisser Leute.

Die Template-Clubs wiederpiegeln die Entwicklung sehr gut. Alle grösseren Template-Schmieden bieten inzwischen Joomla und WP Templates an. Will man auch künftig als Extentions-Entwickler Geld verdienen, muss man in den Markt gehen, wo die Nutzer sind. Das wird irgendwann auch jede Joomla!-Webagentur machen müssen, wenn sie in diesem Markt überleben will.

Aktueller Trend der Schweiz zeigt, dass Drupal Joomla überholt hat
auch in Deutschland zeichnet sich ein ähnliches Bild, wie in der Schweiz. Hier hat Typo3 Joomla eingeholt
Entwicklung des Marktanteils von Joomla!

Einen ähnlicher Trend kann man nicht nur bei Google ablesen sondern auch bei meinem Hoster cyon. Er macht jeweils jjährlich eine unabhängige Marktanalyse und zählt, welche CMS seine Kunden auf den Servern wie oft installiert haben. Das Ergebnis bestätigt den Trend!

Das Joomla!-Projekt ist seit 2016 institutionalisiert und komplett durchstrukturiert. Ich möchte das hier weder werten noch kommentieren. Wen es interessiert, habe ich an anderer Stelle bereits meine Meinung dazu geäussert.

Der 3er-Zweig wird mit dem nächsten Minor-Release 3.9 sein EOL erreichen. Für das nächste Joomla! 4.0 ist noch nicht klar, wie gross die Hürden einer Migration für Templates und Erweiterungen sein werden. Den Core selber sollte man, dank dem Kompatibilitäts-Layer der in 3.9 kommen soll, von 3.x auf 4.x upgraden/migrieren können.

Fazit

Sollte Joomla! 4.0 mit all seinen Erweiterungen und Templates nicht per Mausklick zu aktualisieren sein, wird das Portal hier wohl ebenfalls sein EOL erreichen. Aber bis dahin ist es noch weit und es ist zu früh, sowas entscheiden zu können.

Roger Perren

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