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Dienstag, 21 April 2015 10:12

Interview mit David Jardin, Mitglied des Joomla! CLT

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Ich hatte diese Woche die Gelegenheit, mit David Jardin, Mitglied des Joomla! Community Leadership Teams (CLT) ein paar Fragen zum Joomla! Projekt zu stellen.

Erfahre hier, was David im CLT Team macht, was er über die aktuelle Struktur-Diskussion sagt und wie er über die Zukunft des Joomla Projekts denkt.

David Jardin ist 25 Jahre alt, lebt im schönen Köln und verdient seine Brötchen als selbstständiger Webentwickler mit Spezialisierung auf Joomla. Wenn er mal nicht am Rechner hängt, ist er Bogenschütze, fährt mit dem Rad dem Rhein entlang oder bekocht Kinder und Jugendliche auf Ferienfreizeiten. Dem David ist also selten langweilig ;).

  J!Info: Wie bist du auf Joomla! gestossen?

Der Fussball ist es schuld! Mein jüngerer Bruder spielt seit frühster Kindheit Fussball, und eines schönen Tages kam sein Trainer auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte die Internetseite der Mannschaft zu pflegen. Ich hatte damals schon Grundkentnisse in PHP und MySQL, und dachte daher es wäre für alle Beteiligten angenehmer, wenn ich was programmieren würde, womit der Trainer die Ergebnisse der Spiele selber mittels Browser verwalten kann. Ich hab dann quasi, ohne es zu wissen, mein eigenes kleines Fussballvereins-CMS geschrieben.

Nach einiger Zeit wurde das System aber immer umfangreicher und ich hab mal geschaut, ob es nicht was fertig “von der Stange” gibt, das ich nutzen könnte. Bei dieser Suche bin ich dann über ein CMS namens “Mambo” gestolpert, fand es ganz praktisch und bin dabei geblieben. 1 Jahr später wurde aus Mambo dann Joomla, und der Rest ist Geschichte!.

  J!Info: Was findest du besonders toll an Joomla!?

Für mich gibt es zwei Dinge, die Joomla auszeichnen:

  1. die Community! Ich habe die Gelegenheit gehabt, in viele andere Communities “reinschnuppern” zu dürfen, Events zu besuchen und mit Leuten zu sprechen - aber nirgendwo habe ich mich so willkommen und wohl gefühlt, wie in der Joomla-Community! Ich weiss nicht genau woran es liegt, aber die Joomla Community fühlt sich “wärmer” und herzlicher an. Ganz egal wo man hingeht, welches Event man besucht oder mit wem man sich unterhält: es kommen immer gute Erfahrungen dabei raus.
  2. bringt Joomla für mich genau den richtigen Mix aus “brauchbarem Content-Managment”, “Bedienbarkeit” und “guter technischer Basis” mit. In sehr vielen meiner Projekte müssen irgendwelche besonderen Anforderungen implementiert oder Drittsystem angebunden werden. Das Joomla Framework erlaubt es mir, diese Dinge zu machen ohne das der Entwickler in mir Verzweiflungsanfälle bekommt.

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  J!Info: Wieviel Zeit investierst du pro Tag im Schnitt ins Joomla Projekt?

Puh! Gute Frage! Ich würde mal schätzen, dass da am Tag so etwa 2-2,5 Stunden für ehrenamtliche Arbeit drauf gehen werden. Das schwankt natürlich sehr stark und ist teilweise nicht immer ganz leicht zu trennen, da es natürlich fliessende Übergänge von meinem Beruf hin zu meinem Hobby gibt.

  J!Info: Hast du auch andere CMS nebst Joomla! ausprobiert? Was sind deine Erfahrungen mit anderen Systemen?

Ich habe neben Joomla noch das OpenSource-CMS “modX” im Einsatz, das ich häufig in Kundenprojekten verwende. modX nutze ich dabei insbesondere in relativ kleinen Projekten, weil ich hier viele Arbeitsabläufe schneller hinbekomme, als mit Joomla. Die Philosophie ist allerdings eine völlig andere, weshalb man als Joomla-User hier erstmal umdenken muss.

Neben modx verfolge ich aber auch die Entwicklung von anderen System wie Wordpress, Drupal, Typo3, Typo3 Neos, Processwire und Contao. Mit einiger der genannten System habe ich auch schon kleinere Projekte umgesetzt, um mal über den Joomla-Tellerrand zu blicken und ein besseres Gefühl dafür zu kriegen, wo die Stärken und Schwächen von Joomla liegen.

  J!Info: Seit Februar 2014 bist du Joomla! CLT Mitglied. Wie ist es dazu gekommen?

Der eigentliche Vorgang war sehr simpel! Es gab einen Blogpost, der die Community dazu aufgerufen hat, neue Mitglieder für das CLT zu nominieren. Jemand hat mich nominiert, es gab ein “Bewerbungsgespräch” und ich bin genommen worden! :).

  J!Info: Was ist deine Aufgabe im Joomla! CLT?

Zum ersten sehe ich meine Aufgabe darin, die deutschsprachige Community im CLT zu vertreten. Deutschland, Österreich und die Schweiz haben sehr grosse, aktive Communites und das sollte in meinen Augen auch entsprechende repräsentiert werden. Dabei geht es mir insbesondere um einen beidseitigen Informationsaustausch.

Zum zweiten bin ich Kontaktperson für das CMS-Garden Projekt, in dem sich ca. ein Dutzend OpenSource CMS Communites zusammengeschlossen haben, um gemeinsam Marketing- und Lobbyarbeit zu betreiben.

Last but not least bin ich Ansprechpartner (Liasion) für das Team, das am Relaunch der offiziellen Joomla-Showcase Seite arbeitet. Auch hier Sorge ich für Kommunikation in beide Richtungen und kümmere mich darum, dass das Team alles hat was es benötigt.

Dazu kommt dann natürlich noch jede Menge Verwaltungskram, monatliche Meetings und das schreiben von Artikeln, Blog-Posts und Reports.

  J!Info: Wie denkst du über die aktuelle Situation des Joomla! Projekts? Es laufen gerade sehr engagierte Diskussionen.

Ich denke du spielst hier vor allem auf die Strukturdiskussion an, die es ja derzeit gibt. Nun, ich ganz persönlich habe da meine Bauchschmerzen was das aktuelle Proposal angeht. Die Gründe dafür sind vielfältig:

  1. glaube ich, dass man das eigentliche Grundproblem “Kommunikation läuft nicht” auch durch einen weniger radikalen Umbau lösen könnte
  2. wurden für meinen Geschmack die alternativen Vorschläge, die es ja durchaus gab, nicht genügend berücksichtigt oder wenigstens mal ergebnisoffen diskutiert
  3. war OpenSourceMatters seit jeher als “schwache Struktur” geplant, die das Projekt unterstützen sollte. Mit der neuen Struktur, wird OSM gewissermassen das Projekt - und das verändert für mich ein Stück weit die Seele des Projekts
  4. ist der Vorschlag für mich auf der anderen Seite nicht radikal genug. Wenn wir schon einen grossangelegten Umbau angehen, so würde ich gerne hinterfragen ob die rechtliche Form “Unternehmen mit Sitz in New York” eine Struktur ist, die dem Projekt hilft - oder ob es vielleicht andere Rechtsformen (z.B. ein Verein mit Sitz in der Schweiz, wie es bei vielen anderen Projekten der Fall ist) uns besser dient. Wenn ich alleine an so Dinge wie “potenzielle Steuerersparnis” denke, bekomme ich da leuchtende Augen
  5. habe ich grosse Sorgen, dass die “Department Coordinators”, also die oberste/innerste Gruppe in der neuen Struktur von der Welle an Arbeit, die da auf sie zurollt, schlicht überfordert sein könnten

Ich sehe zwar auch durchaus einige charmante Vorzüge, aber überzeugt bin ich derzeit nicht.

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  J!Info: In welche Richtung sollte sich das Projekt, deiner Meinung nach bewegen?

Ich glaube es ist sehr wichtig, dass das Projekt zeitnah mit der Entwicklung einer neuen, vielleicht radikal anderen Version von Joomla anfängt. Wer mal ein wenig ausserhalb der Joomla-Welt unterwegs ist, wird feststellen, dass viele Dinge in anderen Systemen völlig anders gelöst sind - und das es stellenweise viel Sinn machen könnte, sich da einfach das ein oder andere abzuschauen. Mein Lieblingsbeispiel: brauchen wir eigentlich wirklich eine Menüverwaltung? Warum gibt es überhaupt eine Trennung zwischen der Content-Struktur und der Menü-Struktur? Warum haben wir keinen Seitenbaum, wie es viele andere System implementiert haben?

Was die grundlegenden Konzepte angeht, hat sich seit Mambo-Zeiten eigentlich nicht mehr so viel verändert - und ich glaube, es ist nun an der Zeit zu hinterfragen, was sich ändern muss, um auch für die nächsten 10 Jahre noch “relevant” zu bleiben.

  J!Info: Was möchtest du zum Schluss unseren Joomla!Info Lesern da draussen mit auf den Weg geben?

Ihr seid Joomla. Ich habe in der deutschsprachigen Community oft das Gefühl, das es ein “wir hier unten, die da oben”-Gefühl gibt - und ich bin der festen Überzeugung, dass dieses Gefühl nicht berechtigt ist. Jeder kann, darf und soll sich einbringen, für jeden gibt es einen Platz und jeder ist willkommen. Beschäftigt euch mit dem was international passiert, bringt euch ein und schaut mal über den Tellerrand! Ihr werdet erstaunt davon sein, wie viel ihr für euch selber mitnehmen könnt. ;).

  J!Info: Danke David, dass du dich für uns Zeit genommen hast. Wir wünschen dir und deinen Projekten alles Gute und weiterhin viel Erfolg für die Zukunft!

Das Interview wurde am Montag, 20. April 2015 geführt.

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